Es gab Zeiten, da wurde der Zahnstein bei unseren Katzen einfach mit dem Fingernagel abgekratzt… und gut war es. Manche Tierfriseure haben sogar damit geworben, bei der Fellpflege gleichzeitig den Zahnstein ohne Narkose zu entfernen. Mittlerweile haben sich glücklicherweise die Zeiten ein wenig geändert, nicht viel, aber ein wenig zumindest. Zahnerkrankungen bei unseren Katzen werden seit Jahrzehnten sehr zurückhaltend therapiert, auch an den Universitäten schafft es die Zahnheilkunde meist nicht einmal zu einem Nebenfach.
Auch viele Katzenhalter sind nicht davon überzeugt, wenn der Tierarzt eine Zahnbehandlung empfiehlt. Warum auch, die Katze hat guten Appetit und lässt sich auch sonst nichts anmerken. „Die kann doch keine Schmerzen haben.“ Dagegen glauben fast 95% der Katzenhalter, dass bei fehlendem Appetit ihrer Katze die Zähne daran Schuld seien. Meistens sind sie es nicht. Schätzungsweise 99% aller Katzen mit schwerwiegenden und schmerzhaften Zahnerkrankungen haben einen unverminderten Appetit. Fast alle Zahnprobleme werden bei unseren Katzen durch Zufall entdeckt, sei es bei einer Impfung oder einem anderen Grund für den Tierarztbesuch. Manchmal ist auch der unangenehme Geruch aus dem Mund der Katze Anlass zur Kontrolle der Zähne.
Haben Katzen keine Schmerzen?
Auf manche kann das den Eindruck machen. Katzen empfinden aber genauso Schmerzen wie wir Menschen, auch an den Zähnen. Die Katze gehört aber zu unserem letzten Haustier, welches nicht wirklich domestiziert wurde. Die Katze ist immer noch ein Wildtier. In freier Wildbahn bedeutet das Zeigen von Schmerzen Schwäche, und Schwäche bedeutet Tod. Genau das ist der Grund, warum Katzen lange, lange, lange Zeit Krankheitssymptome unterdrücken, sei es eine Krebserkrankung oder eine internistische Erkrankung. Und plötzlich, von einem auf den anderen Tag, ist sie todkrank, ohne uns zuvor deutliche Krankheitszeichen gezeigt zu haben. So verhält es sich auch mit den Zähnen. Leider haben unsere Katzen häufig eine bestimmte Zahnerkrankung, bei der sich die Zahnwurzeln auflösen, ohne dass man es beim augenscheinlichen Betrachten der Zähne erkennen kann. Aus diesem Grund gibt es immer weniger Tierärzte, die einfach mal schnell den Zahnstein wegmachen.

Zu einer Zahnsteinentfernung der Katze gehört immer das Röntgen aller Zähne in der Mundhöhle, auch der gesund erscheinenden. Manche Tierärzte gehen aufgrund der Häufigkeit und der schwere dieser Zahnwurzelerkrankung sogar soweit, einmal jährlich eine solche Röntgenuntersuchung zu empfehlen, um rechtzeitig diese Erkrankung zu erkennen. Leider gibt es auch bei frühstmöglicher Erkennung keine Heilung. Es bleibt nur die Entfernung des erkrankten Zahnes und somit eine frühestmögliche Schmerzlinderung.
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